Der Fehler beim Wasserhahn kostet Sie jährlich hunderte Euro und niemand spricht darüber

Das Drehen des Wasserhahns ist eine der am häufigsten wiederholten Gesten im häuslichen Alltag — und gleichzeitig eine der verschwenderischsten. Bis das Wasser die gewünschte Temperatur erreicht, fließen oft Liter davon ungenutzt in den Abfluss. In einem durchschnittlichen Haushalt summiert sich dieser unsichtbare Verlust auf beträchtliche Mengen pro Jahr. Die Ursache liegt nicht im Benutzerverhalten, sondern in der Trägheit konventioneller Mischsysteme, die Wärmeverteilung und Durchfluss mechanisch regulieren.

Die neueste Generation intelligenter thermostatischer Wasserhähne bricht mit diesem Muster. Mithilfe präziser Sensorik und digitaler Steuerung verspricht sie, innerhalb von Sekunden Wasser mit der exakt voreingestellten Temperatur zu liefern – ein technologischer Ansatz, der nicht nur Komfort, sondern auch Nachhaltigkeit neu zu definieren versucht. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung bewährter Konzepte, die bereits in verwandten Bereichen der Gebäudetechnik ihre Wirksamkeit unter Beweis gestellt haben.

Um die Dimension des Problems zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die etablierte Forschung zu wassersparenden Technologien. Das Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden hat in einer umfassenden Studie für die Deutsche Energie-Agentur untersucht, welches Einsparpotenzial bereits mechanische wassersparende Armaturen bieten. Die Ergebnisse zeigen: Selbst ohne digitale Steuerung lassen sich durch optimierte Durchflussmengen und Strahlregler erhebliche Energieeinsparungen erzielen. Bei Bestandsgebäuden mit zentraler Warmwasserbereitung ermöglichen solche Armaturen etwa zwei Prozent Reduktion beim Primärenergiebedarf, bei hocheffizienten Neubauten sogar bis zu sechs Prozent.

Diese Zahlen mögen auf den ersten Blick bescheiden erscheinen, doch ihre Bedeutung wird klar, wenn man die Ausgangslage betrachtet: Herkömmliche Brausen verbrauchen laut der Studie zwischen 15 und 18 Liter pro Minute, während wassersparende Varianten mit nur 6 bis 8 Litern auskommen – eine Reduktion von etwa 60 Prozent. Professor Bert Oschatz vom ITG Dresden stellte dabei fest, dass bei einem geringen Heizwärmebedarf eines Gebäudes der prozentuale Anteil des Energiesparpotenzials durch wassersparende Armaturen umso höher ausfällt. Der Grund liegt auf der Hand: In hochgedämmten Gebäuden macht die Warmwasserbereitung einen größeren Anteil des Gesamtenergiebedarfs aus, sodass jede Optimierung hier proportional stärker ins Gewicht fällt.

Wenn Präzision zum Energiesparer wird: Die Funktionsweise intelligenter Thermostat-Wasserhähne

Ein gewöhnlicher Einhebelmischer ist eine rein mechanische Konstruktion: Er mischt kaltes und heißes Wasser durch manuelles Verschieben einer Kartusche. Die Temperatur hängt vom subjektiven Gefühl ab, nicht von einer realen Messung. Ein intelligenter Wasserhahn hingegen arbeitet mit einem konzeptionell anderen Ansatz, indem er Thermosensoren, Mikrocontroller und elektromagnetische Ventile nutzt, um Wasser elektronisch zu regulieren.

Im Zentrum steht ein Sensor, meist ein Thermistor, der die Temperatur des Wasserflusses in Echtzeit misst. Der Mikroprozessor gleicht den Wert mit dem voreingestellten Sollwert ab und passt die Ventilöffnungen an – theoretisch mehrere Male pro Sekunde. So soll nur das notwendige Mischverhältnis aus Warm- und Kaltwasser in den Auslauf gelangen. Diese Technologie baut auf Erkenntnissen auf, die in anderen Bereichen der Smart-Home-Technologie bereits erfolgreich angewendet werden.

Ein instruktives Beispiel liefert die Studie der noventic group in Zusammenarbeit mit tado°, die allerdings nicht Wasserhähne, sondern intelligente Thermostate für Heizungssysteme untersuchte. Christian Deilmann, Chief Product Officer bei tado°, dokumentierte, dass intelligente Thermostate an Heizkörpern mit zentraler Heizungsregelung durchschnittlich eine Effizienzsteigerung von 22 Prozent in der Wohnraumerwärmung erzielen. Dieses Prinzip – die digitale Feinsteuerung thermischer Prozesse durch Sensoren und vorausschauende Regelung – bildet die konzeptionelle Grundlage auch für intelligente Wasserhahn-Systeme, wenngleich die konkrete Anwendung am Wasserhahn bislang nicht Gegenstand vergleichbarer institutioneller Forschung ist.

Besonders relevant ist das angestrebte Zusammenspiel mit der Warmwasserbereitung. Moderne Modelle, die an das Smart-Home-System angebunden werden könnten, würden idealerweise direkt mit dem Durchlauferhitzer oder der Wärmepumpe kommunizieren. Diese bidirektionale Verbindung soll ermöglichen, die Temperatur dort zu stabilisieren, wo der Energieverbrauch wirklich entsteht – an der Quelle. Das angestrebte Ergebnis: weniger Temperaturschwankungen, weniger Nachregulierung, weniger Energieverlust.

Die Studie der Deutschen Energie-Agentur weist in diesem Zusammenhang auf einen wichtigen Aspekt hin: Bei Kombination wassersparender Armaturen mit dezentralen Durchlauferhitzern lassen sich Einsparungen von bis zu 12 Prozent erreichen. Dies unterstreicht, dass die Art der Warmwasserbereitung entscheidend für das Gesamteinsparpotenzial ist – eine Erkenntnis, die auch für zukünftige intelligente Systeme relevant bleibt.

Unsichtbare Kosten des Wartens: Wasserverluste, Materialspannungen und bakterielle Risiken

Wasser, das wir beim Warten auf die richtige Temperatur verschwenden, verschwindet nicht folgenlos. Jedes Mal, wenn ein Hahn geöffnet wird, entsteht ein Temperaturgradient im Leitungssystem. Das kalte Wasser, das in der Leitung steht, wird herausgespült, bevor warmes Wasser nachströmt. In älteren Installationen kann das erhebliche Mengen pro Nutzung ausmachen.

Neben dem offensichtlichen Wasserverlust erzeugt dieses Wechselspiel aus Kälte und Wärme Materialspannungen in Rohren und kann das Risiko mikrobieller Kontamination erhöhen. Das Problem liegt nicht nur in der Menge, sondern in der Frequenz: Jede Dusche, jeder Abwasch, jeder Handwaschgang multipliziert die Belastung.

Hier setzen verschiedene Lösungsansätze an. Bereits einfache elektrische Wasserhähne mit Infrarotsensoren zeigen bemerkenswerte Ergebnisse: Laut Untersuchungen des Öko-Instituts und anderer Fachquellen lässt sich mit Hilfe moderner Infrarotsensoren der Wasserverbrauch um bis zu 50 Prozent reduzieren. Der Mechanismus ist simpel: Automatische Aktivierung und Deaktivierung durch Handenerkennung verhindern, dass Wasser unnötig läuft – etwa beim Einseifen der Hände oder beim Putzen der Zähne.

Ein intelligenter Thermostat-Wasserhahn würde diesen Ansatz konzeptionell erweitern, indem er zusätzlich die Temperatur direkt am Auslass misst und den Durchfluss erst öffnet, wenn das Zielintervall erreicht ist. Manche Entwicklungen zielen darauf ab, das erste kalte Wasser automatisch in einen Zwischenspeicher zu leiten, wo es später zur Pflanzenbewässerung oder für die Toilettenspülung genutzt werden könnte. Technologisch betrachtet bedeutet das eine Verlagerung von passivem Verbrauch zu aktivem Management — ein Prinzip, das die gesamte Wasserinfrastruktur eines Hauses nachhaltiger gestalten könnte.

Die Relevanz solcher Ansätze wird deutlich, wenn man bedenkt, dass Warmwasser nach Raumwärme der zweitgrößte Energieverbraucher im Haushalt ist. Daten des Umweltbundesamts zeigen, dass Raumwärme 27,4 Prozent des Endenergieverbrauchs ausmacht – ein Referenzwert, der die Dimension des Energiebedarfs für Wärmeerzeugung im Haushalt verdeutlicht.

Warum digitale Regelung mehr spart als gutes Verhalten

Viele Verbraucher glauben, sparsames Verhalten reiche aus, um Wasser- und Energiekosten zu senken. Die Realität ist komplexer. Selbst bewusste Nutzer unterschätzen den zeitlichen Versatz zwischen Temperaturwahrnehmung und Ventilreaktion. Untersuchungen zur Gebäudetechnik zeigen, dass der Mensch eine Temperaturänderung im Wasserstrahl erst nach etwa ein bis zwei Sekunden spürt. In diesem Moment ist meist schon zu viel heißes Wasser beigemischt.

Ein digitales Steuergerät hingegen könnte theoretisch vor dem Benutzer reagieren, sobald der Messfühler eine Abweichung erkennt. Diese vorausschauende Regelung verspricht, den Energiebedarf für die Erhitzung zu senken und die Warmwasserbereitung auf niedrigere Durchschnittstemperaturen einzustellen — ein potenzieller Beitrag zur Senkung der CO₂-Bilanz im Haushalt.

Die bereits erwähnte Studie zu intelligenten Thermostaten für Heizungssysteme von tado° und der noventic group illustriert das Prinzip: Durch intelligente, sensorgekoppelte Steuerung lassen sich in der Raumheizung Effizienzsteigerungen von durchschnittlich 22 Prozent erreichen. Übertragen auf die Warmwasserbereitung könnten ähnliche Mechanismen greifen, wenngleich spezifische Studien zu intelligenten Wasserhahn-Systemen noch ausstehen.

Ergänzt man dies durch Bewegungssensoren oder Zeitsteuerung, fließt Wasser nur dann, wenn tatsächlich Hände oder Geschirr in Reichweite sind. Die bereits nachgewiesene 50-prozentige Wasserreduktion durch einfache Infrarotsensoren zeigt, dass automatisierte Regelung menschlichem Reaktionsvermögen überlegen sein kann – ohne Komfortverlust für den Nutzer.

Integration ins Smart Home: Vom Wasserhahn zur Datenquelle

Die theoretische Stärke eines intelligenten Wasserhahns liegt nicht allein in seiner Funktion, sondern in seiner Vernetzungsfähigkeit. Über WLAN oder Zigbee-Protokolle eingebunden, könnte er Daten über Temperaturverläufe, Nutzungsfrequenzen und Verbrauchsspitzen melden. Diese Informationen wären entscheidend, um Energieflüsse ganzheitlich zu optimieren – insbesondere in Kombination mit weiteren IoT-Geräten wie Warmwasserbereitern, Heizsystemen oder Smart-Metern.

Ein konkretes Szenario: Erkennt das System wiederkehrende Stoßzeiten, etwa eine morgendliche Duschroutine, könnte der Wassererhitzer gezielt vorheizen, anstatt ganztägig auf hohem Temperaturniveau zu laufen. Das würde nicht nur Gas oder Strom sparen, sondern auch die Lebensdauer der Komponenten verlängern. Zusätzlich ließe sich die Steuerung mit Präsenzsensoren koppeln, sodass Wasser nur dann vorbereitet wird, wenn Bewohner tatsächlich im Haus sind.

Die gesammelten Daten würden eine Transparenz schaffen, die im Alltag oft fehlt. Während Stromzähler heute fast selbstverständlich digital sind, bleibt beim Wasserverbrauch die Wahrnehmung diffus. Eine digitale Übersicht könnte zeigen, wie viel kaltes Wasser vor jeder Warmphase verloren gehen würde – und Effizienz sichtbar machen.

Die Forschungsergebnisse des ITG Dresden unterstreichen, dass gerade bei energieeffizienten Gebäuden mit geringem Heizwärmebedarf der prozentuale Anteil des Energiesparpotenzials durch optimierte Wassersysteme besonders hoch ausfällt. Je effizienter ein Gebäude bereits ist, desto relevanter wird die Optimierung der Warmwasserbereitung – ein Argument für die Integration intelligenter Steuerungen in moderne Haustechnik.

Materialfragen: Warum langlebige Komponenten entscheidend sind

Technologie allein garantiert noch keine Nachhaltigkeit. Entscheidend ist die Materialqualität der Ventilmechanik und der Sensorik. Während konventionelle Armaturen meist auf Messing oder verchromtem Zink basieren, würden hochwertige Smart-Modelle idealerweise korrosionsbeständigen Edelstahl, PEEK-Polymere und Silikonabdichtungen nutzen, die hohe Temperaturwechsel besser tolerieren.

Günstige Nachrüstlösungen können kurzfristig überzeugen, neigen aber möglicherweise zu Kalibrierungsverlusten und elektronischer Alterung durch Kalkablagerung. Die mikroelektronischen Module müssten deshalb hermetisch isoliert und wartungsfreundlich positioniert sein, idealerweise im Trockenkörper oberhalb der Armatur.

Für die langfristige Energieeinsparung zählt nicht nur die Steuerungsgeschwindigkeit der Elektronik, sondern auch die mechanische Beständigkeit der Dichtungen und Sensorflächen. Ein präziser Sensor, der nach zwei Jahren an Sensitivität verliert, würde den Effizienzvorteil schnell wieder aufheben. Wer in smarte Armaturen investieren möchte, sollte daher gezielt auf Produktspezifikationen wie IP-Schutz, Temperaturbereich und Kalibrierintervall achten.

Die Erfahrungen mit wassersparenden mechanischen Armaturen bieten hier wertvolle Anhaltspunkte. Die von Professor Oschatz geleitete Studie zeigt, dass qualitativ hochwertige wassersparende Brausen und Armaturen nach DIN V 18599-Berechnungen über Jahrzehnte zuverlässig ihre Einsparleistung erbringen. Hansgrohe beispielsweise erreicht mit seiner EcoSmart-Technologie konstant 6 Liter pro Minute bei 3 bar Druck – gegenüber 15 Litern bei herkömmlichen Modellen. Diese Langlebigkeit und Zuverlässigkeit müsste auch für digitale Systeme angestrebt werden.

Praktische Vorteile im Alltag

Die Einführung eines thermoregulierenden Wasserhahns würde das Benutzererlebnis subtil, aber spürbar verändern. Neben Komfort und Sparpotenzial böte sie mehrere handfeste Vorteile:

  • Konstante Temperatur unabhängig von Leitungsdruck oder Netzschwankung
  • Sofortiger Start mit voreingestellter Wärme, keine Nachjustierung
  • Signifikante Wasserersparnis, da keine oder minimale Wartezeit auf die richtige Temperatur entsteht
  • Erhöhte Hygiene durch berührungsfreie Aktivierung bei sensorgesteuerten Varianten
  • Integrierte Sicherheit durch Begrenzung der Maximaltemperatur – ideal in Haushalten mit Kindern oder älteren Menschen
  • Datengestützte Kontrolle über Nutzungsgewohnheiten und Wartungsbedarf

Diese Summe kleiner Verbesserungen könnte langfristig zu einem stabileren und ressourcenschonenderen Haushaltssystem führen. Im Gegensatz zu großflächigen Sanierungen ließe sich hier Effizienz punktuell nachrüsten – ein potenzieller Vorteil für Mieter und Eigentümer gleichermaßen.

Die bereits nachgewiesenen Erfolge verwandter Technologien sind ermutigend: Die 60-prozentige Wasserreduktion durch optimierte Durchflussmengen bei mechanischen Armaturen und die 50-prozentige Einsparung durch Infrarotsensoren zeigen, dass selbst einzelne Optimierungen erhebliche Wirkung entfalten können.

Wann sich die Investition lohnt – und was oft übersehen wird

Die Annahme, dass solche Systeme nur in Neubauten mit digitaler Haustechnik sinnvoll sein könnten, greift möglicherweise zu kurz. Die Forschungsergebnisse des ITG Dresden zeigen: Gerade bei Gebäuden mit bereits niedrigem Heizwärmebedarf fällt der prozentuale Anteil des Energiesparpotenzials durch wassersparende Systeme umso höher aus. Dies bedeutet, dass auch nachträgliche Optimierungen – etwa der Austausch einer einzelnen Armatur am Waschtisch oder in der Küche – einen messbaren Unterschied erzielen können.

Der übersehene Vorteil liegt jedoch nicht im unmittelbaren Sparbetrag, sondern im Reduzieren von Temperaturschwankungen. Jede Schwankung zwingt den Warmwasserbereiter zu einer kurzfristigen Leistungssteigerung. Durch stabile Anforderungen könnte sich die Lebensdauer der Heizspirale und des Speichers beträchtlich verlängern. Auch Kalkablagerungen entstehen bei konstanter Temperatur langsamer – ein physikalischer Nebeneffekt, der Wartungskosten senken würde.

Die Studie der Deutschen Energie-Agentur dokumentiert bereits für mechanische Systeme beachtliche Einsparungen: Bei Bestandsgebäuden zwei Prozent, bei Effizienzhäusern sechs Prozent und in Kombination mit dezentralen Durchlauferhitzern bis zu zwölf Prozent Reduktion beim Primärenergiebedarf. Diese Werte basieren auf präzisen Berechnungen nach DIN V 18599 für drei Generationen von Einfamilienhäusern und bieten eine belastbare Grundlage für Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen.

Darüber hinaus wäre die Integration solcher Wasserhähne ein Beitrag zur Skalierung effizienter Gebäudetechnologien im städtischen Maßstab. Wenn nur ein Teil der Haushalte einer Stadt ihr Wassermanagement optimieren würde, ließen sich potenziell beträchtliche Energiemengen einsparen – ohne Komfortverlust für die Bewohner.

Installation und Anpassung: Worauf es wirklich ankommt

Der theoretische Einbau eines intelligenten Wasserhahns würde kein vollständiges Smart-Home-System voraussetzen, wohl aber einige technische Überlegungen erfordern. Wichtig wäre zunächst die Stromversorgung: Einige konzeptionelle Modelle könnten mit Mikroakkus und induktiver Aufladung arbeiten, andere benötigten eine Netzverbindung. Akku-basierte Varianten sollten so positioniert werden, dass der Batteriewechsel ohne Demontage möglich ist.

Darüber hinaus wäre auf die korrekte Einstellung des Temperaturfühlers zu achten. Ein häufiger Installationsfehler bei thermischen Sensorsystemen besteht darin, den Sensor zu weit vom Auslass entfernt zu platzieren, wodurch Messverzögerungen entstehen. Die optimale Position befände sich am Wasseraustritt oder in unmittelbarer Nähe des Luftsprudlers.

Wer eine solche Armatur mit Hausautomationssystemen wie Home Assistant, Apple HomeKit oder Alexa koppeln möchte, sollte vorab prüfen, welche Kommunikationsprotokolle unterstützt werden. Die Standardisierung schreitet zwar voran, doch bestehen noch Inkompatibilitäten zwischen Wi-Fi- und Zigbee-basierten Geräten. Hier lohnt sich der Blick auf offene Schnittstellen oder lokale Steuerung ohne Cloud-Abhängigkeit, um Datenschutz und Ausfallsicherheit zu gewährleisten.

Die praktische Erfahrung mit bereits etablierten Technologien bietet wertvolle Orientierung. Die erfolgreiche Integration von intelligenten Thermostaten in Heizungssystemen zeigt, dass Retrofit-Lösungen auch in Bestandsbauten funktionieren können. Christian Deilmann und sein Team demonstrierten, dass intelligente Steuerungen selbst in Mehrfamilienhäusern mit zentraler Heizungsregelung nachgerüstet werden können und dort durchschnittlich 22 Prozent Effizienzsteigerung erreichen.

Die ökologische Dimension: Von individueller Effizienz zu kollektiver Wirkung

Das scheinbar kleine Gerät am Waschbecken wäre Teil eines größeren energetischen Prozesses. Warmwasser ist nach Raumwärme der zweitgrößte Energieverbraucher im Haushalt. Jede Reduktion der Aufheizzeit und jedes vermiedene Nachregeln wirkt sich direkt auf den Primärenergiebedarf aus. Der Einsatz optimierter Armaturen – ob mechanisch oder digital gesteuert – erlaubt, diesen Verbrauch gezielt zu senken, eine Voraussetzung für klimaneutrale Gebäude.

Die Forschungsergebnisse des ITG Dresden unter Leitung von Professor Oschatz zeigen eindrücklich: In einem Effizienzhaus mit zentraler Warmwasserbereitung lassen sich durch wassersparende Armaturen sechs Prozent des Primärenergiebedarfs einsparen – bei dezentralen Durchlauferhitzern sogar bis zu zwölf Prozent. Diese Werte, berechnet nach der präzisen Methodik der DIN V 18599, belegen das erhebliche Potenzial, das in der Optimierung der Warmwasserbereitung steckt.

Wasser ist darüber hinaus selbst ein zunehmend kritisches Gut. Armaturen, die den Durchfluss nur bei tatsächlicher Nutzung aktivieren, senken den Pro-Kopf-Verbrauch, ohne Verhaltensänderung zu verlangen. Die dokumentierte 60-prozentige Reduktion der Durchflussmenge von herkömmlichen 15 bis 18 Litern auf 6 bis 8 Liter pro Minute bei mechanischen wassersparenden Brausen zeigt bereits heute, welche Dimensionen erreichbar sind.

Dieses Prinzip der technisch erzielten Selbstverständlichkeit – Effizienz nicht durch Verzicht, sondern durch präzise Steuerung – markiert den Übergang zu einer neuen Generation häuslicher Nachhaltigkeit. Die Hansgrohe EcoSmart-Technologie etwa erreicht konstant 6 Liter pro Minute bei 3 bar Druck, während herkömmliche Modelle 15 Liter verbrauchen – ein Unterschied, den Nutzer kaum bemerken, der aber in der Jahresbilanz erheblich zu Buche schlägt.

Was die Zukunft bringen könnte: Vorausschauende Regulierung durch lernfähige Systeme

Die nächste konzeptionelle Entwicklungsstufe ginge über einfache Temperaturregelung hinaus. Maschinelles Lernen könnte es Wasserhähnen ermöglichen, sich an individuelle Routinen anzupassen. Sie würden Muster erkennen – etwa die übliche Uhrzeit und gewünschte Temperatur des Morgenrituals – und die Wärmezufuhr vorausschauend bereitstellen. Diese adaptiven Algorithmen könnten den Energiebedarf weiter senken, indem sie nur dann Wärmeenergie vorhalten, wenn tatsächlich Bedarf besteht.

Parallel arbeiten Entwickler möglicherweise an mikroskopisch präzisen Ventilsteuerungen, die den Wasserdruck in Millisekunden anpassen können. Dadurch bliebe die Temperatur auch dann konstant, wenn anderswo im Haus mehrere Zapfstellen gleichzeitig aktiv sind. In Verbindung mit intelligenten Wassermessern entstünde ein geschlossenes System, das Wasser- und Energieflüsse in Echtzeit optimiert – ein konzeptioneller Paradigmenwechsel von reaktiver zu prädiktiver Regelung.

Die Analogie zur erfolgreichen Implementierung intelligenter Heizsysteme ist offensichtlich. Die noventic group und tado° haben gezeigt, dass intelligente Thermostate in Mehrfamilienhäusern mit Zentralheizung eine durchschnittliche Effizienzsteigerung von 22 Prozent in der Wohnraumerwärmung erreichen. Diese Erfolge basieren auf präziser Sensorik, intelligenter Datenanalyse und vorausschauender Steuerung – Prinzipien, die theoretisch auch auf Warmwassersysteme übertragbar wären.

Allerdings ist anzumerken, dass intelligente thermostatische Wasserhähne mit KI-Lernfähigkeit und vollständiger Smart-Home-Integration bislang nicht Gegenstand vergleichbarer Peer-Review-Studien von Universitäten, Behörden oder anerkannten Energieinstituten sind. Die dokumentierten Erfolge beziehen sich primär auf mechanische wassersparende Armaturen und intelligente Heizungsthermostate – verwandte, aber nicht identische Technologien.

Der leise Fortschritt am Waschbecken

Das Besondere an optimierten Wassersystemen – ob mechanisch wassersparend oder potenziell digital gesteuert – ist nicht ihr sichtbares Design, sondern die Diskretion ihrer Wirkung. Kein Radikalumbau, keine komplexe Benutzeroberfläche, keine spürbare Umgewöhnung – lediglich der Moment, in dem Wasser effizienter genutzt wird, ohne dass der Komfort leidet.

Diese unscheinbare Effizienz summiert sich über Wochen und Jahre. Sie schützt Ressourcen, Material und Nerven gleichermaßen. Die von der Deutschen Energie-Agentur und dem ITG

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